Biathlon Porträt Franziska Preuß

Die Biathlon-Saison 2024/25 wird für immer in den Geschichtsbüchern des deutschen Sports verankert bleiben. Franziska Preuß ist auf dem Höhepunkt ihrer Biathlon-Karriere. Die 31-jährige Bayerin hat geschafft, wovon sie und unzählige Fans so lange geträumt haben – sie ist die Gesamtweltcupsiegerin. Es war ein Sportkrimi, der an Dramatik kaum zu überbieten war, und Preuß meisterte ihn nicht nur mit sportlicher Brillanz, sondern auch mit einer menschlichen Größe, die die Herzen der Biathlon-Community im Sturm eroberte.

Deutschland Team DSV Franziska Preuß
Deutschland Team DSV Franziska Preuß | Foto: DSV
  • Verein: SC Haag
  • Geburtstag: 11.03.1994
  • Beruf: Zoll Ski Team
  • Größe: 172cm
  • Gewicht: 62kg
 

Der Weg an die Spitze: Kämpferherz trifft Konstanz

Leistungssport ist hart – immer wieder wurde Franziska Preuß durch Krankheiten und Verletzungen zurückgeworfen – selbst in ihrer erfolgreichsten Saison musste sie Rückschläge verkraften. Die Saison von Preuß war eine Demonstration von Nervenstärke und Ausdauer. Sieben Jahre nach ihrer ersten Podiumsplatzierung in der Gesamtwertung (2020/21) schien sie nun bereit für den ganz großen Wurf. Mit beeindruckender Konstanz sammelte sie Punkt um Punkt, stand dreizehn Mal auf dem Podium und gewann unter anderem bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide die Goldmedaille in der Verfolgung.
Doch der Weg war steinig. Immer wieder warfen sie gesundheitliche Probleme – darunter eine COVID-19-Infektion – zurück. Doch Preuß ließ sich nie entmutigen. Sie kämpfte sich zurück, oft unter Tränen der Enttäuschung nach Rückschlägen, umso entschlossener für die nächsten Rennen. Ihre Offenheit über diese Tiefpunkte machte sie für viele Fans noch greifbarer und sympathischer.
 

Das Finale von Oslo: Triumph und Tränen der Empathie

Der Höhepunkt und zugleich das emotionalste Kapitel der Saison war das Finale in Oslo. Es war der 12,5 km Massenstart, das allerletzte Rennen des Winters, das über den Gesamtsieg entscheiden musste. Preuß gegen die Französin Lou Jeanmonnot.
Was folgte, war Drama pur: Preuß zeigte ein fehlerfreies Rennen, behielt die Nerven am Schießstand und sicherte sich nicht nur den Tagessieg im Massenstart, sondern damit auch die entscheidenden Punkte für den Gesamtweltcup.Doch der Triumph hatte einen bitteren Beigeschmack. Ihre Rivalin Lou Jeanmonnot, die ebenfalls eine überragende Saison ablieferte, stürzte wenige Meter vor dem Ziel. In einer Kurve kamen sich Preuß und Janmonnot sehr nahe – die Französin rammte sich den Stock ziwschen die Ski und kam zu Fall, In diesem Moment zeigte sich die wahre Größe von Franziska Preuß.
 
Anstatt ihren Sieg ekstatisch zu feiern, war ihr erster Weg im Ziel zur Konkurrentin. Die Bilder, wie sie die am Boden liegende und weinende Jeanmonnot tröstete, gingen um die Welt. Es war ein Moment, der zeigte, dass im Sport bei aller Rivalität auch Freundschaft und gegenseitiger Respekt existieren. „Es tut mir unglaublich leid für Lou“, sagte eine sichtlich bewegte Preuß im Interview, die sich nur vorsichtig über ihren eigenen Sieg freuen konnte. „Sie hätte den Sieg genauso verdient gehabt. Das ist einfach nur bitter.“
 

Fazit: Eine Königin mit Herz

Franziska Preuß hat in der Saison 2024/25 bewiesen, dass man beides sein kann: eine unerbittliche Kämpferin auf der Strecke und ein unglaublich herzlicher, fairer Mensch abseits davon. Ihr Gesamtweltcup-Sieg ist der verdiente Lohn für jahrelange harte Arbeit und Entbehrungen.
Für uns Biathlon-Fans ist sie nicht nur wegen ihrer Medaillen und Siege ein Vorbild, sondern vor allem wegen ihrer Empathie und ihrer authentischen Art. Herzlichen Glückwunsch, Franzi, zur Biathlon-Krone! Du hast sie dir mehr als verdient.

 

Franziska Preuß: Weg zum Biathlon

Franziska Preuß startete ihre sportliche Karriere zunächst in der Leichtathletik. Im Alter von 15 Jahren bekam sie von ihren Eltern einen Gutschein für „Biathlon erleben“ in Fritz Fischers Biathloncamp. Dieser Tag veränderte ihre sportliche Laufbahn. Auf Anraten Fischers nahm sie am Stützpunkttraining in Ruhpolding teil. Schon in ihrer zweiten Saison gewann sie den Deutschlandpokal.

2012 feierte sie ihren ersten großen Erfolg: Bei den ersten Olympischen Jugend-Winterspielen wurde sie mit dreimal Gold und einmal Silber zur erfolgreichsten Athletin.  Im selben Jahr beendete Franziska das Fachabitur und trat dem Zoll Ski Team bei.

2013 folgten drei JWM-Medaillen, wodurch sie die Olympia-Qualifikation für Sotschi schaffte. Die Saison 2014/15 krönte sie mit WM-Staffel-Gold, WM-Silber im Massenstart und der kleinen Kristallkugel im Massenstart.  2016 kamen WM-Staffel-Bronze und Mixed-Staffel-Silber hinzu.

Doch dann kamen die ersten Rückschläge: 2017 konnte Franziska krankheitsbedingt nicht an der Weltmeisterschaft in Hochfilzen teilnehmen. Auch die olympische Saison 2017/18 begann aufgrund des langen, krankheitsbedingten Ausfalls schleppend.

2019 feierte Franziska ihren ersten Weltcupsieg im Massenstart in Ruhpolding. Trotz Lungen- und Rückenproblemen in der Sommervorbereitung konnte sie ihre Leistungen im Winter 2019/20 weiter steigern. Bei den Weltmeisterschaften in Antholz gewann sie mit Silber in der Staffel und in der Single-Mixed-Staffel ihre fünfte und sechste WM-Medaille.

Im Winter 2020/21 erreichte Franziska mit Platz 3 in der Weltcup-Gesamtwertung ihr bisher bestes Ergebnis. Bei den Weltmeisterschaften auf der Pokljuka lief sie in jedem Rennen in die Top-8. Im Staffel-Rennen errang sie mit einer überragenden Schlussrunde die Silbermedaille.

Die Saison 2021/22 war von einer Fußverletzung und einer Corona-Infektion geprägt. Trotz Trainingsausfall nahm sie an den Olympischen Spielen in Peking teil und gewann mit der Damenstaffel Bronze.

In der Saison 2022/23 musste Franziska aufgrund von Infektionen auf die Teilnahme an der Heim-WM in Oberhof verzichten und beendete die Saison vorzeitig.

Der Start in den Winter 2023/24 verlief vielversprechend: Nach zwei Podestplätzen in Östersund führte Franziska kurzzeitig im Gelben Trikot als Weltcupführende.  Weitere Infektionen, darunter Corona, warfen sie jedoch immer wieder zurück. Bei den Weltmeisterschaften 2024 in Nove Mesto war sie im Sprint und in der Verfolgung jeweils beste Deutsche auf Platz 6. Franziska beendete die Saison erneut vorzeitig und belegte am Ende Platz 11 in der Weltcup-Gesamtwertung.

Franziska Preuß – Privates

Franziska Preuß interessiert sich in ihrer Freizeit für Sport, Treffen mit Freunden, Shoppen und Musik. Ihr Lieblingsessen ist thailändisch und ihre Lieblingsserie ist „Grey’s Anatomy“. Musikalisch bevorzugt sie die Band Coldplay.  Franziska Preuß ist seit dem Winter 2015/16 mit dem ehemaligen Biathleten Simon Schempp liiert. Der beendet seine Karriere nachdem er jahrelang mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.

Erfolge Tabellarisch (Stand 2024)

Weltcup-Gesamtwertung:

  • 2025: 1.
  • 2024: 11.
  • 2023: 42.
  • 2022: 21.
  • 2021: 3.
  • 2020: 6.
  • 2019: 9.
  • 2018: 22.
  • 2017: 35.
  • 2016: 12.
  • 2015: 9.
  • 2014: 18.

WM/Olympia

  • Olympische Winterspiele 2022 Peking 3. Staffel
  • WM 2021 Pokljuka 2. Staffel
  • WM 2020 Antholz 2. Staffel
  • WM 2020 Antholz 2. Single-Mixed-Staffel
  • WM 2016 Oslo 2. Mixed-Staffel
  • WM 2016 Oslo 3. Staffel
  • WM 2015 Kontiolahti 1. Staffel
  • WM 2015 Kontiolahti 2. Massenstart
  • Olympische Winterspiele 2018 Pyeongchang 4. Einzel
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